Was ist Hypnose? Eines vorweg: Hypnose ist KEIN Schlaf oder ein Zustand absoluter Willenlosigkeit! Sie ist vielmehr ein tiefer Entspannungszustand, in welchem Informationen klar verarbeitet werden können, allerdings ohne das ständig kritische Hinterfragen, ob diese Informationen tatsächlich „gut“ oder „richtig“ sind.

In der Hypnose werden die in uns ablaufenden, mentalen Prozesse und Zustände grob in 3 Bereiche eingeteilt. Da gibt es zunächst das Bewusstsein – hier werden sämtliche Aktivitäten gesteuert, die wir ganz bewusst wahrnehmen oder auslösen. Z. B. wenn wir über etwas diskutieren, dann nehmen wir gezielt die Argumentationen unseres Gegenübers wahr, hinterfragen diese kritisch, bewerten sie und stimmen dann entweder zu oder formulieren unsere Gegenargumentationen. Diese Interaktion geschieht mit einem klaren Ziel: Im hiergenannten Fall ist es, unser Gegenüber von unseren Ansichten zu überzeugen.

Ein weiterer, mentaler Zustand ist das UNTERbewusstsein. Es ist der Ort all unserer Gefühle, Erfahrungen, Erlebnisse und Wertevorstellungen – sowohl über uns selbst, als auch unserer Umgebung. Hier sitzt praktisch unsere Persönlichkeit und wann immer wir etwas erleben, haben wir auch ein Gefühl dazu. Genau dieses Gefühl wird von unserem Unterbewusstsein produziert, auf Basis der vorhandenen – unterbewussten – Informationen. Diese Gefühle können wir nicht bewusst steuern.

Ein Beispiel aus der Praxis: Angenommen, Sie sitzen in einem Kinosaal mit 100 weiteren Zuschauern und sehen sich eine Film an, der in Ihnen irgendein Gefühl hervorruft, z. B. Trauer oder Angst. Sie alle kennen eine solche Situation. Dieses Gefühl in Ihnen ist absolut unterbewusst entstanden. Denn, wenn Sie den Film bewusst erlebt hätten, dann hätten Sie durch kritische Bewertungen ganz klar realisiert, dass es nur ein Film ist, mit Schauspielern und einer Geschichte, die überhaupt nicht echt ist. Außerdem wäre Ihnen ebenfalls klar gewesen, dass doch 100 andere Leute mit Ihnen im Raum sitzen etc.. Es gäbe also gar keinen echten Grund für Trauer oder Angst. Doch Sie haben all das quasi „ausgeblendet“ und die Informationen konnten ungefiltert in Ihr Unterbewusstsein gelangen und dort eine Reaktion hervorrufen – manchmal auch neue Denkweisen/ Ansichten. Würde sich in dem Moment jedoch der Feueralarm einschalten, dann wäre Ihnen der Film schlagartig egal, die Emotionen verschwunden und Sie wüssten ganz genau, wo sich der Notausgang befindet.

Die unterste Ebene unserer Mentalprozesse stellt das UNBEwusste dar. Man nennt es auch den „Verstand des Körpers“. Hier werden z. B. das Immunsystem, Herzschlag usw. gesteuert. Für die Hypnose ist diese Ebene jedoch meistens zu vernachlässigen.

Wir befinden uns mehrmals am Tag in Hypnose. Das ist ein natürlicher Zustand. Die Grenzen zu den jeweiligen Bewusstseinsebenen sind übrigens fließend und können nicht immer ganz klar gezogen werden.

Mit dem Magnetresonanztomografen (MRT) konnte man schon vor 10 Jahren beobachten, welche Bereiche im Gehirn während einer hypnotischen Trance beteiligt sind: Da ist überwiegend der vordere zinguläre Kortex aktiv, der für die Aufmerksamkeit zuständig ist. Dagegen ist der vordere Gehirnlappen, der präfrontalen Kortex, eher „heruntergedimmt“: in ihm spielen sich Planen und Denken ab, wodurch wir in Hypnose weniger kritisch und somit offener für Suggestionen sind. Zudem ist der visuelle Kortex sehr aktiv, da während der Hypnose überwiegend Bilder angesprochen werden. Auch reagiert der Teil des Gehirns anders, für das Ich-Gefühl zuständig ist: dem Precuneus auf der hinteren Mitte des Schädels.

Das Spannende ist, dass anstelle des „Alltags-Ichs“ ein anderes „Ich“ aus dem Unterbewussten mobilisiert werden kann, welches nun ein Problem löst, wozu sich das „Alltags-Ich“ nicht in der Lage sah. Das Gehirn reagiert nicht mehr auf tatsächliche Reize, sondern auf Imaginationen und Suggestionen des Patienten.

Man geht davon aus, dass ca. 15 Prozent der Bevölkerung sich sehr tief hypnotisieren lassen. Besonders trancefähig sind beispielsweise jene Menschen, etwa alles um sich herum vergessen können, während sie ein Buch lesen. Ca. 60 bis 70 Prozent können in eine mitteltiefe Hypnose gehen, die jedoch für die Therapie vollkommen ausreicht. Manche benötigen erst ein wenig Übung, um in Trance fallen zu können. Und als gar nicht hypnosefähig gelten knapp fünf Prozent. Grundsätzlich sind die Prognosen für hypnosefähige Menschen recht gut. Gemäß einer Studie zur Raucherentwöhnung mittels Hypnose, sind 50 % auch nach einem Jahr nicht wieder rückfällig geworden. Fast 60 Prozent waren es nach einem Monat. Somit ist der Erfolg hier höher als bei den meisten anderen Methoden wie z. B. der Akupunktur. Hierbei wird die Erfolgsquote auf ca. 10 bis 15 Prozent geschätzt.

Fazit: In einem tiefentspannten Zustand, werden neue Informationen und Erfahrungen direkt ins Unterbewusstsein gebracht, wo sie sich manifestieren und Prozesse zur Verhaltensänderung sowie die Auflösung von emotionalen Belastungen anstoßen.